Dieser Beitrag wurde von mb! Magazine und Freunde von Freunden als Teil 2 dieser Zusammenarbeit produziert. Mehr über Nadas Leben und Arbeit – einschließlich weiterer Fotos – gibt es hier.

Frankfurt braucht vermutlich keinen weiteren Artikel, der belegt wie unterschätzt die Stadt als Heimat kreativer, international erfolgreicher Leute ist. Dies wird vielmehr ein Plädoyer dafür, dort zu leben, wo auch Freunde und Familie sind und wo man sich wohlfühlt, um so produktiv wie möglich arbeiten zu können. Nicht auf diese leidende Art und Weise, die dem vielzitierten Künstlerklischee entspricht, sondern in zufriedener und ausgeglichener Grundstimmung. Man kann schon mal leicht in Panik verfallen, wenn man nicht in einem der kulturellen und kreativen Epizentren lebt, wie New York, London oder Los Angeles, oder in einer entspannten Künstler- und Hipsterhochburg wie etwa Berlin, Portland oder auch Melbourne. Viel spricht jedoch dafür, alles miteinander zu vereinbaren: Einen sicheren Hafen zu haben, ein Zuhause, in das man immer wieder gerne zurückkehrt und eine Karriere, die sich dem eigenen Leben anpasst. Statt umgekehrt.

Nada Lottermann, ehemaliges Model, Stylistin, Fotografin, Eigentümerin eines Korres Shops – und Mutter zweier Kinder – ist in Frankfurt geboren, aufgewachsen und trotz kurzer Zwischenspiele in größeren Städten, wie Paris und Athen, geblieben, und hat sich eher unkonventionell eine erfolgreiche Karriere in der Finanzmetropole aufgebaut.

Wir sprechen mit dem Multi-Talent über Kameras, Roadtrips und ihre Liebe zu dieser Stadt, durch die wir in ihrem alten, goldenen Mercedes-Benz SL fahren und in der sie uns ihre Lieblingsplätze zeigt sowie uns ihre gute Freundin und Geschäftspartnerin Vanessa Fuentes vorstellt.

Du hast in deiner Laufbahn schon sehr viel gemacht und lässt dich nicht so gerne festlegen – da haben wir etwas gemeinsam. Erzähl mal, wie du letztendlich zur Fotografie gekommen bist.
Über Umwege, wobei ich schon als junges Mädchen Fotoshootings bei mir zuhause organisiert habe, mit Freundinnen und meinen jüngeren Cousinen. So richtig mit Anziehen und Verkleiden und dann vor einer Wand aufstellen. Das war quasi der Anfang.

Das waren auch schon erste Gehversuche im Styling.
Genau. Aber ich hatte damals weder Fotografie noch Styling als Berufswahl im Sinn. Ich bin dann mit 15 Jahren klassisch angesprochen worden, ob ich Model werden möchte. Das habe ich dann zehn Jahre lang gemacht aber nie mit so großem Ehrgeiz, eher so als Nebenverdienst. Ich hatte also schon mit 15 mein eigenes Geld und konnte daher auch viel machen, habe aber auch einiges an Schulzeit verpasst. Das war mir alles zu langwierig, bei mir musste es schnell gehen. Meine Eltern waren zum Glück sehr liberal. Ich habe dann mit meinem damaligen Freund, einem Grafik Designer, eine Agentur gegründet und habe zunächst versucht Kunstfotografen in Magazinen zu veröffentlichen. Dann haben wir selbst ein Magazin herausgebracht.

Wie hieß das?
Neue Mode Magazine. Wir fingen lokal in Frankfurt an, dann Deutschland weit, und irgendwann waren wir international am Start. Das war eine schöne Zeit, sehr aufregend. Irgendwann war ich so vertieft in diesem Magazin Business, dass ich keine Lust mehr hatte vor der Kamera zu stehen und rumzureisen.

Also hast du mit dem Styling angefangen. Wie hast du da den Einstieg gefunden?
Ich habe mich bei Stylistenagenturen beworben und bin bei Nina Klein in Köln gelandet. Bei ihr bin ich nun seit fast 16 Jahren. Das war ein super Einstieg, da sie alles für mich organisiert haben: die Go-Sees, die Rechnungen geschrieben, die Preise verhandelt… ich konnte mich auf das Kreative konzentrieren und jemand hat das Business für mich verwaltet. Das hätten wir auch schon vorher mit dem Magazin gebrauchen können.

Wie bist du dann letztendlich bei der Fotografie gelandet?
Meine Agentin hat mich zunächst dazu ermutigt, auch Art Direktion zu machen und irgendwann meinte sie: du musst dir unbedingt eine Kamera kaufen und selbst fotografieren. Ich dachte nur: ich habe ja gar keine Ausbildung, ich weiß gar nichts über Fotografie. Aber ich hatte eine Polaroid Kamera, eine SX70, und habe erst einmal ganz viel damit fotografiert. Mit einer Polaroid überlegt man länger bis man abdrückt, man wartet auf den perfekten Moment anstatt später das perfekte Bild unter vielen herauszusuchen – das fand ich toll. Später habe ich dann zusammen mit meiner Freundin Vanessa Fuentes, die Fotografie studiert hat und die wir nachher treffen, angefangen zu fotografieren. Seit fünf Jahren fotografieren wir jetzt zusammen. Mittlerweile bin ich wieder bei der analogen angekommen. Es ist total aufregend auf diesen Film zu warten und eben nicht zu sehen, was man fotografiert hat.

Du bist ja hier in Frankfurt geboren und aufgewachsen und trotz deiner vielen Reisen hier auch geblieben. Warum?
Es ist ideal, weil ich mich hier total wohlfühle, weil es meine Homebase ist und wie ein Auffangbecken, eine Art Höhle. Das ist mir wichtig. Meine Freunde sind hier, meine Schwester, meine Eltern, sprich die Großeltern für die Kinder, und mein Mann hat hier seine Agentur. Ich glaube, mittlerweile ist es fast egal, wo man lebt. Ich muss in einer Stadt leben, die schnell funktioniert – ich komme überall gut hin und schnell und problemlos zum Flughafen. Ich finde Frankfurt toll, man kann alles zu Fuß machen, und man fühlt sich auch nicht so schnell alleine. Ich kann mich hier alleine im Grüneburgpark auf die Wiese legen und fühle mich zuhause. Das hat man in vielen großen Städten nicht. Ich brauche keine Stadt die viel Business hat – lieber fahre ich dahin und komme wieder zurück.

Was würdest du gerne noch machen, was du noch nicht gemacht hast?
Du meinst beruflich? Oder sonst?

Egal.
(Überlegt) Was ich schon immer mal machen wollte ist ein Roadtrip! Und zwar so klassisch in Amerika in einem coolen Auto rumfahren.

Das coole Auto hast du ja schon. Welches Modell ist es genau?
Es ist ein Mercedes-Benz 350 SL, Baujahr 1973 in Gold. Ich habe nichts dran machen lassen, er hat sogar noch das original Radio, wofür mir allerdings der Code fehlt. Also habe ich immer meine Jawbone Jambox dabei.

Was hat dir an dem Wagen so gefallen?
Ich finde ihn ehrlich gesagt einfach stylish! Aber er war auch wirklich ein Glücksgriff, mit wenigen Kilometern, Schiebedach, einfach perfekt. Es war eigentlich mein Mann, der ein altes Auto gesucht hatte und bekam daher irgendwann einen Anruf von unserer Werkstatt. Sie hätten da eine Kundin, ihr Mann ist verstorben und sie möchte seinen Zweitwagen verkaufen. Mein Mann zeigt mir das Foto, und sagt: ist nichts für mich. Ich schaue auf das Bild und sage nur: sofort kaufen! Ich will dieses Auto haben. (lacht) Der Wagen war den ganzen Winter untergestellt, und Vanessa und ich sind gestern sicherheitshalber mit Überbrückungskabel angerückt und dann ist der doch unglaublicherweise sofort angesprungen. Ich war begeistert.

Wie reagieren die Leute auf das Auto? Die Farbe sieht man selten und er sieht wirklich noch gut aus.
Ich mache mir da einen Spaß draus und habe schon all die verschiedenen Blicke kategorisiert, die ich bekomme. Von dem jungen Typ, der denkt: was macht die mit so einer abgefahrenen Karre bis hin zum süßen, alten Ehepaar wo er zu ihr sagt: „weißt du noch, Schatz, so einen hatten wir doch auch mal“. Es ist sehr unterhaltsam.

Wie sieht ein normaler Tag bei dir aus? Gibt es normale Tage?
Ja, denn ich habe zwei Kinder. Ich stehe jeden morgen um 7:20 auf – immer mit dem Gefühl, dass mir jemand mit dem Baseballschläger über den Kopf gehauen hat. Ich habe schon alles probiert, wir sind einfach keine Frühaufsteher. Keiner von uns. Dann geht es im Minutentakt weiter – Klamotten für die Kinder raussuchen, Brote schmieren etc. – bis alle aus dem Haus sind und dann habe ich Zeit für mich. Wenn ich nicht gerade einen Job habe. Ich gehe dann erst mal Kickboxen, ich bin süchtig danach, und dann treffe ich mich meist mit Vanessa im Plank im Bahnhofsviertel zum Frühstück. Dort sitzen wir oft stundenlang, besprechen Sachen, machen dort quasi unser Büro für den Tag auf.

Was ist die größte Inspirationsquelle für deine Arbeit?
Reisen. Wir sind die „Holiday Family“ unter unseren Freunden, wir versuchen oft und lange wegzufahren. Deshalb haben wir uns auch vor zwei Jahren entschieden, in eine Weltreise zu investieren, bevor meine Älteste eingeschult wurde. Das war wirklich die beste Entscheidung.

Wen würdest du gerne fotografieren, dead or alive:
George Clooney. Vincent Gallo. Monica Bellucci. Und Dave Grohl von den Foo Fighters!! Ich würde sterben vor Aufregung! Aber George Clooney wäre ok. Am liebsten nackt.

Du fotografierst gerne nackte Leute, richtig?
Ja. Vanessa warnt immer: Achtung, jetzt zieht sie dich gleich aus. Aber es muss sexy sein, und die Person muss stimmen. Es muss kein Model sein aber eine schöne Persönlichkeit.

Danke, Nada, für das Gespräch und die Mini-Tour durch Frankfurt im SL, wobei wir natürlich jeden Blick vom Straßenrand im Detail analysiert haben.

www.nadalottermann.com

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