Dieser Beitrag wurde von mb! Magazine und Freunde von Freunden als erster Teil dieser Zusammenarbeit produziert.

Mehr über Chris, sein Leben und seine Arbeit – einschließlich weiterer Fotos – finden Sie auf Freunde von Freunden.

Chris Gibbs’ Streetwear-Boutique Union genießt in Los Angeles absoluten Kultstatus. Ein Grund mehr, mit diesem Stilexperten auf Tuchfühlung zu gehen, um in unserer Interview-Kollaboration mit dem Onlinemagazin Freunde von Freunden mehr über seine Wahlheimat, Herkunft und die Suche nach einem stilechten Oldtimer zu erfahren. Als Einkäufer des New Yorker Shops Union NYC konnte der geborene Kanadier mit karibischen Wurzeln seine Reiselust und sein Kulturinteresse voll ausleben. Und nebenbei den kometenhaften Aufstieg des Streetwear-Genres hautnah miterleben – bis er selbst absolut angefixt war. Die folgende Modekarriere führte ihn schließlich nach Los Angeles, wo er neben einer eigenen Familie auch den Luxus-Streetwear-Shop Union gründete, der in Hollywoods La Brea-Shopping-Anlaufstelle Hipster mit den richtigen Klamotten versorgt. Für seine anspruchsvolle Kundschaft spürt Chris die neuesten globalen Trends auf – und reist dafür u. a. mehrmals jährlich nach Japan. Auch bei seiner Autowahl macht Chris natürlich keine halben Sachen und stürzte sich deshalb in eine intensive Suche nach einem Oldtimer, der seine eigene Ästhetik spiegelt. Als mittlerweile stolzer Besitzer eines Mercedes-Benz 250 C von 1971 chauffierte uns Chris durch ganz LA, um uns die besten Restaurants, Shops, Geheimtipps und Routen zu zeigen.

Warum bist du mit deiner Familie eigentlich nach Cheviot Hills gezogen?
Da hatte wohl „die Jugend” das Sagen. Wir hatten zunächst eine Weile im Osten der Stadt gewohnt, aber irgendwann wollten wir einfach etwas mehr Auslauf für die Kids und natürlich auch vernünftige Schulen und so. Letztendlich haben wir uns für Cheviot Hills entschieden, da es die ideale Mischung aus relativ sicherer Vorstadtidylle mit viel Platz für die Kinder und urbaner Stadtnähe bietet. Für die Rolle des klassischen Vorortvaters bin ich einfach nicht geschaffen.

Und was macht ihr am Wochenende?
Unsere Wochenenden haben eher Jobcharakter. Normalerweise stehen wir viel zu früh auf und bringen die Kinder zum Basketball, Fußball, American Football, Schauspiel- oder Kunstunterricht. Wenn wir Glück haben, steht danach nur noch eine Spielgruppe oder ein Kindergeburtstag auf dem Plan. Manchmal fahren wir auch für ein Wochenende nach Mammoth zum Skifahren mit engen Freunden. Das macht allen extrem viel Spaß! Ansonsten haben wir in LA natürlich Glück mit dem Wetter: Man kann ganzjährig an den Strand fahren oder in einem versteckten Park Freunde treffen. Da wir noch relativ junge Eltern sind, schleppen wir unseren Nachwuchs auch oft auf Vernissagen mit. Aber meist hängen wir einfach zu Hause ab.

Seid ihr denn häufig am Meer?
Wenn wir etwas Zeit haben, fahren wir gern die Küste bis nach Malibu hoch oder übernachten weiter unten in La Jolla. Allerdings muss ich gestehen, dass ich da etwas kritisch bin und viel zu hohe Maßstäbe anlege – da mein Vater aus Barbados stammt, habe ich mein ganzes Leben lang Zeit an karibischen Stränden verbracht; hier gibt es leider nichts Vergleichbares.

Erzähl uns doch von deinem Mercedes.
Vor kurzem sind unsere Leasing-Verträge ausgelaufen, also haben wir uns ein neues Auto geholt, aber irgendwie war ich nicht wirklich dabei. Ich mag die aktuellen Neuwagen einfach nicht besonders, weder ästhetisch noch anderweitig. Also dachte ich an einen Oldtimer, der meinem eigenen Stil besser entspricht, und habe erst einmal eBay durchforstet. Gerade die Formen der 1960er und 1970er hatten es mir angetan. Nach etwa einer Woche war dann klar, was mir konkret vorschwebte: ein Zweitürer, da mir die Viertürer einfach zu groß waren. Außerdem sollte es ein Coupé sein, am besten in einem ganz bestimmten Blauton, der war am Allerwichtigsten! Irgendwann stolperte ich bei meiner Internetsuche über einen 1971er Mercedes-Benz 250 C, ein Zweitürer-Coupé in genau dem richtigen Blau, das außerdem ganz bestimmte Details mitbrachte, die sich von Jahr zu Jahr ändern. Ich wollte schlichte Stoßstangen und einen kleinen Kühlergrill. In den 1960ern ist letzterer noch ziemlich groß und in den 1970ern werden dann die Stoßstangen massiver, doch genau dazwischen, in den frühen 1970ern, hatten die Modelle genau diesen dezenten Kühlergrill und die schmaleren Stoßstangen, die ich wollte.

Was versteckt sich in deinem Kofferraum?
Lustig, dass du fragst. Wenn man in der Modebranche arbeitet, bekommt man dauernd Sachen umsonst: Klamotten, Schuhe und Firmengeschenke. Da meine Frau irgendwann mal ein Machtwort gesprochen hat und ich mein Büro nicht zu sehr vollstopfen möchte, leben diese Sachen meist so lange in meinem Kofferraum, bis ich sie langsam und vorsichtig in meinen Kleiderschrank integrieren kann.

Was sollten wir in LA unbedingt tun? Wo kann man gut abhängen? 

Ein guter Freund hat diese Absturz-Karaokekneipe in South Central entdeckt, den Living Room auf der Kreuzung von Crenshaw und Adams. Da läuft man echt den coolsten Leuten über den Weg, auch echten Gangstern, direkt an der Grenze zwischen South Central und Hollywood. Mein Bekannter, dessen Studio um die Ecke liegt, fing irgendwann an, da hinzugehen, und allmählich folgten alle seine Freunde. Mittlerweile hängen da ein paar echt coole Künstler wie Noah Davis, Kahlil Joseph und Daniel DeSure ab, während die Anwohner Karaoke singen und einfach nur Spaß haben; es ist kein bisschen prätentiös. Die Atmosphäre stimmt, die Jukebox auch und die Drinks sind günstig. An Karaoke-Abenden geht es richtig ab; manchmal gibt da ein 60-jähriger Gospelsänger R. Kelly zum Besten, gefolgt von einer gegrölten Slayer-Nummer.

Welcher Song ist dein heimlicher Karaoke-Hit?
Ich singe im Zweifelsfall immer Manic Depression von Jimi Hendrix.

Auf welcher Straße fährst du deinen Wagen besonders gern aus?
Wahrscheinlich Sunset Drive. Als ich damals nach LA gezogen bin, war es die einfachste – wenn vielleicht auch nicht effizienteste – Verbindung für mich, also habe ich sie dauernd benutzt, bis ich mich etwas besser auskannte. Wer sie von Ost nach West durchfährt, bekommt das ganze Spektrum von LA zu sehen: vom Chicano-Einschlag in Echo Park bis nach Hollywood und die Theater- und Clubgegend. Weiter im Westen folgt Beverly Hills und später das extrem exklusive Brentwood. Auf dem Sunset Drive erhält man definitive einen guten, ausgewogenen Überblick der ganzen Stadt.

Was ist dein aktueller Auto-Soundtrack?
Mein Geschmack ist gleichzeitig sehr speziell und breit gefächert. Obwohl ich alle Richtungen mag, gibt es innerhalb dieser Genres nur wenige Bands, die ich wirklich schätze. Ich bin da sehr wählerisch. Momentan liebe ich alles, was ein bisschen schräg und zerhackt ist, aber auch „Steppers“-Reggae und einen krassen Theo-Parrish-Discomix.

Wo bekommt man leckere Tacos?
Ich gehe am liebsten zu Guisados. Dort bekommt man mit Abstand die besten. Was soll ich sagen!

Was würdest du da empfehlen?
Absolut ALLES! Aber man kann sich zum Einstieg auch eine kleine Auswahl mit fünf unterschiedlichen Mini-Tacos bestellen.

Und wo gibt es die beste Pizza?
Bei dieser Frage tue ich mich leider etwas schwer, da mein persönlicher Favorit bei anderen eher schlecht wegkommt. Das wäre Patsy Damore auf dem Wochenmarkt. Ich finde deren Pizza großartig. Andererseits liegt man bei Gjelinas Gourmetangebot eigentlich immer richtig, aber dort geht es gar nicht unbedingt um Pizza. Da ist einfach absolut alles grandios – meine Lieblingsspeisekarte in LA!

Wo holst du dir deine regelmäßige Koffeindosis?
Was Kaffee angeht, bin ich kein echter Experte oder Snob, aber andererseits habe ich auf meinen diversen Reisen in aller Welt ein paar fantastische Tassen vorgesetzt bekommen. Auch wenn ich die genauen Unterschiede zwischen Arabica und bestimmten Spezialbohnensorten nicht genau herausschmecke, weiß ich einen guten Kaffee zu schätzen. Und dafür muss man gar nicht weit suchen, denn LA hat viele gute Cafés zu bieten. Paper or Plastik liegt direkt auf meinem Arbeitsweg und versorgt mich mit meiner morgendlichen Dosis. Auch ihr Essen ist super, d. h. man kann dort gut Meetings abhalten oder auf einen kleinen Snack vorbeischauen.

Was für Bücher kaufst oder liest du regelmäßig?
Eigentlich alles, ich habe kein bevorzugtes Genre. Zur Inspiration stöbere ich gern bei Arcana in Fotobüchern, Architekturbildbändern und Werken über moderne Kunst. Da kann dieser Laden seine Stärken ausspielen, denn man findet dort eine riesige Menge alter und neuer Titel und Sonderausgaben. Ein wirklich toller Ort, um sich die Zeit zu vertreiben.

Danke, Chris!

Die Tipps von Chris – und sein Auto – haben wir natürlich auch fotografisch festgehalten. Mehr dazu in der obigen Bildergalerie!

Dieser Beitrag wurde von mb! Magazine und Freunde von Freunden als erster Teil dieser Zusammenarbeit produziert.

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