Bereits in ihrer Kindheit stand Musik im Mittelpunkt ihres Lebens. Dabei gab es nie Druck aus dem Elternhaus; kein Verdonnern zum Klavier- oder Geigenunterricht. Es war eher eine Art autodidaktische Beschäftigung mit Musik: zwanglos und frei. Als Jugendliche spielte Fran Gitarre und sang in einer selbstgegründeten Punkband. Sie begann Tontechnik zu studieren, merkte jedoch schnell, dass sie doch eher vor das Mikrofon gehört und nicht hinter das Mischpult. Der große Myspace-Hype überzeugte sie schließlich, denn ihre selbstproduzierten Songs im Netz stießen auf großes Interesse – Grund genug endgültig mehr Musik zu machen.

Zunächst jedoch machte sie ihren Abschluss in Psychologie, kann ja nie schaden! Gleichzeitig ließ sie nicht davon ab, sich auch als Musikerin ein Standbein zu schaffen: Man kennt ihre Stimme aus Oliver Koletzkis Songs und als Frontfrau des gemeinsamen Projektes The Koletzkis.

Sie beschloss, ein Soloalbum herauszubringen, welches nicht für die Tanzfläche der Clubs geschrieben wurde, denn dafür sind die Songs viel zu zerbrechlich und eigen. Sie stellte ein Projekt auf die Beine, das sie komplett in Eigenregie produzierte – und es hat sich gelohnt.

Quirlig, bodenständig, sympathisch und vor allem authentisch – das ist der Eindruck, den Fran Koletzki hinterließ. Wir trafen sie zu einem Fotoshooting in Berlin und erlebten sie völlig entspannt trotz laufender Promotiontour. Herrlich unkompliziert lud sie uns ein, einen Nachmittag mit ihr in einer Galerie einer Freundin zu verbringen. Beim improvisierten Kaffeekränzchen erzählte sie uns von der Entstehungsgeschichte ihres Albums und dass sie sich nicht an ihren letzten Clubbesuch erinnern kann – so lang sei es schon her.

Deine Single Arcade Love erzählt von Seelenverwandtschaft; „Liebe“ auf den ersten Blick! Irgendwelche Erfahrungen, die du teilen magst?
Arcade Love handelt von dem kurzen Moment, in dem man an den Augen eines fremden Menschens hängen bleibt und das Gefühl hat, tief in seine Seele zu blicken. Was der Betrachter dort findet, bleibt aber offen! Vielleicht Liebe auf den ersten Blick, vielleicht aber auch etwas Beängstigendes oder Verwirrendes. Arcade Love handelt von den Projektionen, also von den eigenen Wünschen und Fantasien, die wir in andere Menschen hineinlegen. Persönlich glaube ich nicht an Liebe auf den ersten Blick. Dazu ist Liebe ein viel zu komplexes Gefühl. Mein Mann und ich haben uns zum Beispiel erst nach vielen Monaten ineinander verliebt.

Welcher ist dein eigener Lieblingstrack auf deinem Album und warum?
Cheesecake Mountain ist der individualistischste Song auf meinem Album. Ich mag, wie gut die natürlichen Instrumente wie z.B. der Kontrabass und die synthetischen Klangelemente miteinander verschmelzen. Der Song führt mich durch eine ganz eigene Klangwelt. Es ist wie eine Reise. Für mich ist dieses Stück wie moderner Jazz. Jeder einzelne Hall und Effekt auf jedem einzelnen Wort wurde mit Bedacht gewählt. Inhaltlich geht es um eine Warnung an mich selbst: die reifere Fran warnt die jüngere Fran, nicht den Menschen hinterher zu jagen, die ihr nicht gut tun. Als ich meinen Freunden den Song vorgespielt habe, sagten sie, er erinnere sie an Björk. Das war für mich ein großes Kompliment.

Sowohl das Album, als auch die Videos sind selbstproduziert. Wie wichtig ist es dir so viel selbst zu erschaffen?
Der Gedanke, auch Videos zu meinem Album selbst zu drehen entstand während des zweijährigen Entstehungsprozesses. Als ich irgendwann auf den Malediven vor einem kristallklaren Ozean und einem perfekten Sonnenuntergang stand, wurde mir klar: „Besser wird’s nicht! Das ist, was ich in dem Song Ocean of You beschreibe.“ Also habe ich meine Kamera ausgepackt und angefangen, meine Songs auch zu verbildlichen. Ich bin gewiss kein Technikgenie und habe das Glück in einer Zeit zu leben, in der die selbsterklärende Bedienung von Geräten großgeschrieben wird. Das Video zu Psychoanalysis habe ich größtenteils in meinen Balkonpflanzen gedreht mit einer Makro-Linse. Es dokumentiert die Welt, die wir mit bloßem Auge gar nicht wahrnehmen. Ich war selbst sehr überrascht, was ich da alles so zu sehen bekam!

Wann wird man dich zum ersten Mal alleine auf der Bühne sehen? Ist eine Tour geplant?
Das Record Release Konzert findet am 02.12.2012 im Lido in Berlin statt. Das wird die Premiere und ich bin mir sicher, dass man mich 2013 auf vielen Bühnen und Festivals sehen wird. Die Live Show von Frantastic ist ebenso wie das Album in kompletter Eigenregie entstanden. Ich arbeite mit Visual Artists zusammen, mit Musikern und sogar Tänzerinnen, um das Publikum für die Dauer der Show wirklich voll und ganz in meine Welt entführen zu können. Es soll ein Gesamtkonzept aus Musik, Gesang, Visuals und Performance werden.

Welches Land hat dich am meisten während des Schaffensprozesses beeinflusst und warum?
Japan ist mein Lieblingsreiseziel. Ich liebe dieses Land, weil es den Spagat zwischen uralter Kultur und Hypermoderne wirklich hinbekommt! Ich habe mich viel mit der Philosophie des Zen Buddhismus beschäftigt. Wenn ich im Song Sunglasses singe „I am no one“, so meine ich damit das buddhistische Konzept der Leerheit des Selbst. Wenn ich geschäftlich reise und irgendwo mit Oliver live in den Clubs dieser Welt spiele, dann sieht man meist nur den Flughafen, das Hotel, und den Club. Wenn man Glück hat noch ein Restaurant mit gutem einheimischen Essen. Auch das hatte Einfluss auf mein Album: der Song Zen Dance setzt sich mit meiner ambivalenten Einstellung gegenüber dieser Lebensweise auseinander.

Du warst vor drei Jahren mit deinem Song Transformation auf unserer Mixed Tape Compilation 26 vertreten. Wie waren die Reaktionen in deinem Umfeld darauf?
Ich und auch mein Umfeld haben uns wahnsinnig gefreut. Es war auch ein wichtiger Schritt, der mir Mut gemacht hat! Damals habe ich noch als Psychologin gearbeitet und gerade meine Weiterbildung zur Psychoanalytikerin begonnen. Deshalb hielt ich meine musikalischen Erfolge nach außen hin erst einmal geheim. Kurz nach der Compilation kam dann der Song Hypnotized heraus und dann war es vorbei mit der Geheimhaltung.

Drei Wörter, mit denen du deine Musik beschreiben würdest!
Intuitiv, durchdacht, abwechslungsreich

Welche Platte legst du am liebsten auf, wenn es draußen kühler wird?
Chilly Gonzales, der viele Songs mit Feist und Peaches produziert und selbst zwei wunderbare Klavieralben herausgebracht hat. Solo Piano 1 und 2. Er ist so eine Art kanadischer Helge Schneider, der sich zurecht selbst als musikalisches Genie bezeichnet. Seine Shows sind extrem unterhaltsam und wirklich legendär. In 2013 sehe ich ihn mir in der Berliner Philharmonie an.

Verrate uns doch dein Lieblingszitat eines anderen Künstlers oder Musikers.
Eben dieser Chilly Gonzales wurde mal gefragt, weshalb er sich denn als Entertainer bezeichne und nicht als Künstler. Er sagte: „Der Künstler masturbiert lediglich vor seinem Publikum, aber der Entertainer macht Liebe mit seinem Publikum!“

Das Debütalbum von Fran Koletzki Frantastic wurde auf dem Berliner Label Stil vor Talent veröffentlicht.

Mehr Informationen hier und auf Facebook.

Das Album Track für Track ganz persönlich von der Sängerin vorgestellt.

Aktuelles Video zu Scratch A Goodbye.