Fashion Exchange

Nach sieben erfolgreichen Präsentationen auf der Berliner Modewoche betritt das Label von Dorothee Schumacher Neuland: die Mercedes-Benz China Fashion Week in Peking

Von der ehemaligen Papierfabrik in Mannheim, dem Firmensitz von Schumacher, hin zum D-Park in Peking (ebenfalls ein altes Industrie-Gelände und neuer Design District): Dorothee Schumacher nahm die Anfrage von Mercedes-Benz gerne an, als deutsche Designerin die Mercedes-Benz China Fashion Week in Peking zu eröffnen, schließlich verkauft sie ihre Mode bereits seit drei Saisons in der Volksrepublik. Auf Facebook zeigte sich die gebürtige Düsseldorferin noch einen Tag vor der Abreise vorfreudig in pinkfarbener Daunenjacke zu neongelber Hose bei einer Teestunde in ihrem Garten mit ihren Hunden.

Überhaupt berichtet Dorothee Schumacher auf ihrem Profil mehrmals täglich live aus Peking - als eine Quelle von wenigen. Denn der offizielle Nachrichtenfluss scheint auch im Jahr 14 der Pekinger Modewoche sehr reduziert, wenn man nicht in der Lage ist, chinesische Schriftzeichen zu dechiffrieren. Dabei attestiert man der Mode Made in China weltweit ein enormes Wachstums- und Innovationspotential.

Dorothee Schumacher bestätigt das: „China hat sich in den letzten Jahren zu einem Hotspot entwickelt.“ Auch in den internationalen Modereigen füge sich die chinesische Hauptstadt nahtlos ein, so Schumacher: „Wenn man die Straßenschilder wegnehmen würde, könnte man meinen, in Mailand, New York oder Berlin zu sein.“

Auf dem Schauengelände personifiziert sich dieser Eindruck: die fast ausschließlich asiatischen Models warten - wie ihre Kolleginnen in New York oder Paris - mit Blackberry und Wasserflasche in der Hand, eingewickelt in einen dicken Schal mit Leopardenmuster und Röhrenjeans auf ihr Outfit und Make-up. In unmittelbarer Nähe: die stoisch dreinblickenden Garden in ihrer Uniform. Noch ist nicht alles genau so wie in den europäischen Modemetropolen.

Die Tage vor der Show verbrachte Dorothee Schumacher auf Erkundungstour rund um den D-Park, in Galerien, Boutiquen und Bücherläden, und machte dabei ein Frauenbild ausfindig, das dem westlichen nicht unähnlich sei: „Was ich immer wieder bei chinesischen Frauen beobachte, ist, dass sie zu ihrer Weiblichkeit stehen und das auch in ihrer Kleidung und ihrem Auftreten ausdrücken.“ Außerdem sei der Großteil ihrer Begegnungen top ausgebildet und gleichzeitig sehr modebegeistert gewesen.

Für Frauen wie sie macht Dorothee Schumacher nunmehr seit 22 Jahren Mode. Eine Mode, die durch klare ausgefeilte Schnitte überzeugt, und dennoch die feminine Seite der Frau gezielt akzentuiert - mit liebevollen Details. Der Schumacher-Look ist ein from day to night Look: für die facettenreiche Frau.

Die Designerin ist selbst Mutter von vier Kindern und Chefin von 80 - meist weiblichen - Angestellten. Und wenn sie ihre Zielgruppe in der Pressemitteilung zur Frühjahrskollektion 2012 mit folgenden Worten definiert, dann spricht daraus auch immer das eigene Selbstverständnis: „In Zeiten, in denen noch über Frauenrollen diskutiert wird, tanzen multitalentierte Frauen bereits mit erfolgsverwöhnter Selbstverständlichkeit durch ein facettenreiches Leben zwischen Babys und Business.“ So auch in China.

Facettenreich, beziehungsweise gewohnt gegensätzlich, ist auch die Schumacher-Kollektion mit dem Namen „Couture marries Sports“, die auf dem Pekinger Laufsteg (wie schon bereits zuvor im Juli diesen Jahres in Berlin) gezeigt wurde: Luxuriöser Couture-Chic aus schillerndem Organza oder französischer Spitze, der mit lässigem Jersey und funktionalen Schnitten eine spannende Verbindung eingeht - ebenso wie die schon in der Wintersaison bewährte Farbkombination von Nude und Neon.

Die Frage, ob es Schwierigkeiten bei der Logistik gegeben hätte, verneint die 1966 geborene Geschäftsfrau, die sich sowieso selten aus der Ruhe bringen lässt. Alle Kleidungsstücke, Schuhe und Accessoires trafen pünktlich im D-Park ein. Anders Model Karolina Kurkova, die ursprünglich die Show eröffnen sollte - ihr Kommen scheiterte an einer Passformalität bei der Einreise. Mit dem chinesischen Topmodel Liu Wen war jedoch schnell Ersatz gefunden.

Die kurze Vorbereitungszeit vor Ort und die Organisation trotz Jetlag weiß Dorothee Schumacher zu kompensieren: „Wenn die chinesische Miss Universe Zi Lin zu mir kommt und sagt, sie liebe Schumacher-Mode, dann sind es diese Momente, die die ganze Anstrengung der letzten Tage vergessen machen.“

Trotzdem: Eine längere Erholungspause deutet sich nicht an. Nach der Rückkehr erwartet die Designerin, deren Mode bereits in 600 Shops und 40 Ländern weltweit verkauft wird, ein straffes Programm: von einer Shoperöffnung in Moskau bis hin zur Arbeit an der neuen Herbst-/Winterkollektion für 2012. Doch zunächst freut sie sich auf die wenigen freien Tage zuhause. Vielleicht bei einer entspannenden Teezeremonie in ihrem herbstlichen Garten.

Weitere Informationen:
www.dorothee-schumacher.com
 

TAGS PEKING, DOROTHEE SCHUMACHER, CHINA, ASIEN, STIL, MODE, MERCEDES-BENZ CHINA FASHION WEEK

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